14. Regionale Energiekonferenz ...
Die 14. Regionale Energiekonferenz Südwestthüringen fand am 19.11.2025 im Haus der Wirtschaft der Industrie- und Handelskammer Südthüringen statt.
Der Präsident der Regionalen Planungsgemeinschaft Südwestthüringen, Herr Dr. Michael Brodführer (Landrat des Wartburgkreises), und der Präsident der Industrie- und Handelskammer Südthüringen, Herr Torsten Herrmann hielten die Grußworte als gemeinsame Veranstalter der Konferenz.

Herr Dr. Brodführer thematisierte in seinem Grußwort die vielfältigen Herausforderungen, die es bei der Umsetzung der Energiewende zu bewältigen gilt. Die Komplexität dieses Transformationsprozesses erfordert eine flexible Herangehensweise und keinen Dogmatismus. Aus diesem Grund plädierte er im Sinne des Energiemixes auch für Leistungsvorgaben und nicht für ausschließliche Flächenziele zur Ausweisung von Windenergiegebieten. Die jetzigen Flächenziele überfordern die Planungsregion Südwestthüringen in ihren naturräumlichen Möglichkeiten und finden keine Akzeptanz bei der Bevölkerung. Trotzdem wird die RPG Südwestthüringen versuchen, das vom Freistaat Thüringen vorgegebene Flächenziel von 1,7 % der Regionsfläche fristgerecht bis zum 31.12.2027 zu erreichen, um die sogenannte Superprivilegierung zu verhindern. Gleichzeitig werden aber auch andere Optionen, insbesondere auf der politischen Ebene, geprüft, um mehr Spielraum für die regionalen und kommunale Planungsträger zu gewinnen.

Das Auftaktreferat hielt der Thüringer Umweltminister Tilo Kummer. Aus einer analytischen Betrachtung des erreichten Standes der Energiewende in Thüringen illustrierte er die nächsten geplanten Schritte ausgehend von den Vereinbarungen des Koalitionsvertrages. Mit einem neuen Thüringer Energiegesetz soll mehr Klarheit in die zukünftige energiepolitische Strategie gebracht werden. Er forderte alle Anwesenden und Interessierten auf, sich aktiv in den Prozess der Erarbeitung des Gesetzes einzubringen. Er betonte mit Blick auf seine Vorredner, dass sich die Thüringer Landesregierung auf Länderebene bemüht, die derzeitigen Flächenziele zur Ausweisung von Windenergiegebieten und die damit verbundenen Sanktionen zu flexibilisieren. Er verwies allerdings auch darauf, dass einige Bundesländer ihre Flächenziele bereits erreicht haben und deshalb eine gemeinsame Positionierung zur Änderung gesetzlicher Grundlagen gegenüber dem Bund schwierig zu erreichen sein dürfte.

Herr Prof. Dr. Andreas Goldthau ist Direktor der Willy Brand School of Public Policy an der Universität Erfurt. Dort hat er an der Staatswissenschaftlichen Fakultät auch die Franz Haniel Professur für Public Policy inne. In seinem Vortrag erläuterte er zuerst die globalpolitischen Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die globalen Wirtschaftskreisläufe. Markanteste Erscheinung der jüngsten Entwicklung ist die Abkehr vom kooperativen Wirtschaftsmodell mit bereits spürbaren Folgen für die Handlungsfähigkeit Deutschlands und Europas. Er bezeichnete diesen Vorgang als Beginn der Ära der Geoökonomie. Damit verbunden ist z.B. der erschwerte Marktzugang zu wichtigen Rohstoffen und Materialien, insbesondere der für die Energiewende benötigten Grundstoffe. Mit Blick auf den Aspekt einer nachhal-tigen Entwicklung stellen sich grundsätzlich Fragen darüber, wie sich Deutschland und Europa zukünftig geopolitisch und rohstoffstrategisch aufstellt, um die eigenen energiepolitischen Zielstellungen noch erreichen zu können. An seinem Lehrstuhl entwickelt Herr Prof. Dr. Goldthau derzeit einen Index, der eine Bewertung der Nachhaltigkeit (gute Regierungsführung, Umweltverträglichkeit bei der Rohstoffgewinnung, Wahrung von Menschenrechten etc.) potenzieller Lieferanten von kritischen Mineralien, Wasserstoff und Seltenen Erden gestattet. Letztendlich bedarf es zukünftig eines Anpassungsprozesses, der auf Resilienz bei Lieferketten ausgerichtet ist, der einen anderen, partnerschaftlichen Umgang mit rohstoffreichen Ländern (mehr Wertschöpfung vor Ort zulassen) erfordert und der die stärkere Nutzung der eigenen Ressourcen fördert.

Herr Florian Zunkel von den SWE Stadtwerke Erfurt GmbH erläuterte die Transformationsstrategie seines Unternehmens zur Umstellung des Versorgungsgebietes der Landeshauptstadt Erfurt auf eine CO2-neutrale Wärmeversorgung. Ausgehend von der bisherigen Entwicklung verdeutlichte er die anstehenden Herausforderungen, um den angestrebten Entwicklungspfad bei der Reduzierung der CO2-Emissionen sichern zu können. Die Analyse der bestehenden Optionen zur Nutzung Erneuerbarer-Technologien ergab unter Berücksichtigung von mittel- und langfristiger Planungs- und Kalkulationssicherheit (einschließlich der Betrachtung von Flächenverfügbarkeit und Kosteneffizienz), dass zukünftig besonders die Tiefengeothermie einen Großteil der notwendigen Wärme liefern muss. Dafür wurden verschiedene Transformationspfade bis 2045 in Szenarien entwickelt und ausgewertet. Neben der Tiefengeothermie werden zukünftig vor allem Power-to-Heat-Technologien (z.B. Elektrodenheizkessel und Großwärmepumpen) sowie die wasserstoffbasierte Kraftwärmekopplung (Windenergie + Elektrolyse) zum Einsatz kommen. Bis 2030 soll der Erneuerbare Energien-Anteil mindestens 30 % an der Fernwärmeerzeugung betragen.

Herr Uwe Klemm von der GISA GmbH aus Halle/Saale, einem IT-Dienstleister u.a. für die Energiewirtschaft, ging in seiner Einführung den Fragen nach, wie smart das Energiesystem in Deutschland eigentlich ist und welches Energiesystem in diesem Zusammenhang überhaupt gemeint ist. Letztendlich geht es dabei vorrangig um das Zusammenspiel von Verteilnetzbetreibern und Betreibern von Privatkundenanlagen, die jeweils unterschiedliche Interessenlagen haben. Während der Netzbetreiber vor allem die Netzstabilität im Blick hat, sind für den Privatkunden besonders Kostensenkungs- und Autarkieaspekte eine wesentliche Motivation. Diese Konstellation verbunden mit einer Vielfalt unterschiedlicher gesetzlicher Reglungen und einem sicheren, störungsfreien Betrieb der Anlagen gilt es, in einem smarten Energiesystem zu bewältigen. Smart Meter Gateways werden dabei ein Herzstück der Steuerung und Digitalisierung der Energiewende in Deutschland bilden. Bis jetzt gibt es in Deutschland allerdings noch keine relevante Steuerung der Netze durch derartige smarte Systeme (nur Pilotprojekte), weil der Bedarf auf der Verbraucherseite noch nicht gegeben ist (Hochlauf der E-Mobilität und der Wärmepumpen befindet sich noch nicht im „kritischen“ Bereich). Bezogen auf das Stromnetz besteht allerdings jetzt schon ein erheblicher Steuerungsbedarf.

Herr Prof. Erik Findeisen von der Fachhochschule Erfurt betreut das Lehrgebiet Waldarbeit/-erschließung, Forsttechnik, Forstnutzung und Holzmarktlehre. Gemeinsam mit anderen Partnern und Interessierten hat er das Bündnis „Holz-21-regio“ ins Leben gerufen. Zentrale Zielstellungen bzw. Innovationsfelder dieses Bündnisses sind die Förderung des klimaresilienten Waldumbaus, der Aufbau einer regional basierten Wertschöpfungskette Rohholz und die bessere Inwertsetzung von Holz als Zukunftsbaustoff. Durch die Initiierung eines neuen Forschungs- und Entwicklungsclusters in Thüringen soll der Thüringer Wald als europäische Modellregion für holzbasierte, innovationsgetriebene Wertschöpfungsketten etabliert werden. Dazu soll ein gemeinnütziges Forschungsinstitut am Standort Suhl-Nord gegründet werden, welches in einem ersten Schritt markt- und produktionsorientierte Angebote entwickelt. Darauf aufbauend sollen dann weitere, schon vorkonzeptionierte Projekte folgen. Letztendlich dient das Vorhaben nicht nur der verbesserten Wertschöpfung eines regional verfügbaren und vielseitig verwendbaren Rohstoffs, sondern auch der Attraktivierung eines vom Strukturwandel stark betroffenen Standorts als Lebens- und Arbeitsraum.

Herr Prof. Dr. Wojciech Lisiewicz von der Hochschule Schmalkalden (Professur für Wirtschaftsrecht) und Herr Dr. Dirk Schramm vom Ingenieurbüro für Energiewirtschaft Dr.-Ing. Dirk Schramm GmbH stellten gemeinsam den neuen postgradualen Studiengang „Transformationsmanager/in (FH) Energie“ der Hochschule vor. Das zweisemestrige Studium ermöglicht einen akademischen Abschluss, der zwischen einem zertifizierten Abschluss und einem regulären Masterabschluss steht (DAS – Dipolma of Advanced Studies). Erläuternd verwies Prof. Dr. Lisiewicz auf die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Transformation als Grundlage einer generellen Gestaltungs- und Entwicklungsfähigkeit. Die wissenschaftliche Faktenlage und die Anerkennung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen sollten die Basis für nachvollziehbare (politische) Entscheidungen bilden. Das betrifft insbesondere auch die Transformation der Energiewirtschaft. Für die Umsetzung bedarf es aber qualifizierter Experten mit neuen Kompetenzen. In diesem Zusammenhang stellte Herr Dr. Schramm die wesentlichen Inhalte des neuen Studiengangs und die mit dem Abschluss verbesserten beruflichen Chancen und Perspektiven dar. Die energetische Transformation erzeugt einen hohen Bedarf an Fach- und Führungskräften, die eine komplexe Gemengelage zu bewältigen haben (Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Regulierung, neue Technologien usw.), dem wird mit diesem akademischen Weiterbildungsangebot Rechnung getragen.

Knapp 90 Teilnehmer nahmen an der diesjährigen 14. Regionalen Energiekonferenz Südwestthüringen, die von einer hohen Themenvielfalt gekennzeichnet war, teil. Die Teilnehmer lobten neben der hohen fachlichen Expertise der Referenten insbesondere die Möglichkeit des intensiven Austausches in den Pausen als besondere Qualität der Veranstaltung.
Nachfolgend können sie die freigegebenen Vorträge der Referentinnen und Referenten als pdf-Version nachlesen und downloaden.
Auftaktreferate
► Energiepolitische Strategie des Freistaates Thüringen (Tilo Kummer, Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten des Freistaates Thüringen)
► Die Ära der Geoökonomie – Was bedeutet sie für Europas Versorgung mit kritischen Mineralien, Wasserstoff und Seltenen Erden (Prof. Dr. Andreas Goldthau, Universität Erfurt / Willy Brandt Scholl of Public Policy)
Vormittagssession
► Smartes Energiesystem (Uwe Klemm, GISA GmbH)
Nachmittagssession
Holz21regio – Forschungscampus Holz Suhl-Nord (Prof. Erik Findeisen, Fachhochschule Erfurt)